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Diese Webseite ist ein Teil des Versuchs, behinderte und nicht behinderte Menschen ein wenig dichter zusammenzubringen.  #inkluencer



Was gibt's Neues?

2020-03

Ich gehe wieder zur Fahrschule. Nur gut, dass ich die theoretische Prüfung nicht noch einmal machen muss, ich fiele wohl mit Pauken und Trompeten durch. Aber Handgas lernen muss ich. Dazu ein Bericht meiner ersten Fahrstunde

2020-02

Ich kann nicht mehr "normal" Auto fahren, weil meine Beine streiken. Also muss geprüft werden, ob ein Fahrzeugumbau ausreicht, oder ob ich den Führerschein abgeben muss. Ein Teil des Weges ist hier das Verkehrsmedizinische Gutachten

        2020-01

        Der Jahresrückblick auf mein 2019 fällt         nicht sonderlich positiv aus ... aber seht         selbst.

Der nächste Schritt zum selbst wieder Auto fahren läuft gerade. Ich hatte gestern die zweite Fahrstunde in einem auf Handgas umgebauten Auto, bin schon Überland gefahren. Bis zu 100 km/h schnell, dann Berufsverkehr durch die Stadt mit viel Stop and Go. Die erste Stunde am vergangenen Sonnabend, den 7. März, war ein riesiges Brett – ich wusste absolut nicht, was auf mich zukommt. Also schlief ich in der Nacht schlecht, hatte wortwörtlich Schiss und wäre fast zu spät da gewesen – Nur gut, dass mein Mann unverrückbar an meiner Seite steht. Er filmte – aber vor dem Film kommt die Geschichte.

Ich wurschtele mich also ins Auto, seit einem halben Jahr wieder mal auf dem Fahrersitz. Und erstmal kommt eine Panikwelle über mich gerollt – die ich aber wohl gut verstecken kann. Mein Fahrlehrer erklärt zunächst die grundlegenden Funktionen, Sitz und Spiegel hatte ich mir schon eingestellt. Gas geben – Hebel zu mir ziehen, Bremsen – Hebel wegschieben. Lenken mit dem drehbaren Multifunktionsknopf, über dessen Tasten ich auch Blinker, Hupe, Fernlicht und Scheibenwischer erreichen kann.  Seitlich am GasBremsHebel ist ein kleiner roter Knopf, mit dem ich das Bremspedal dauerhaft betätigen kann – brauch ich ja beim Automaten zum Gang einlegen, ist aber auch in längeren Haltephasen nicht von Nachteil. Also Hebel nach vorn, Knopf drücken, weiter nach vorn bis das Rastgeräusch zu hören und die Rastung zu spüren ist, dann Hebel nach hinten, aber Knopf gedrückt halten. Fahrstufe einlegen. Puh, geschafft. Hebel wieder nach vorn, um die Bremse zu entriegeln – der Wagen rollt, sobald ich den Hebel loslasse. „Ist halt ein Automat, der will nach vorn“, scherze ich. Lenken. Nicht so einfach mit dem Drehknauf, besonders links herum fällt mir schwer. Aber leider gibt es keine andere Lösung – zumindest nicht für die Fahrprobe, weil die auf diesem Fahrzeug durchgeführt werden muss. Üben heißt die Devise, Lenkraddrehung, Überschlagpunkt – und vor allem die Hand nicht vom Knauf nehmen und schon gar nicht mit der Rechten korrigieren. Sonst ist das Geld für die Katz, dass ich jetzt schon für die Fahrschule und die Fahrprobeausgegeben habe. Ich fahre Schleifen über den Parkplatz, bis mein Fahrlehrer mir sagt, dass ich auf die Straße fahren soll. Stadtverkehr. Puh. Die nächste Hürde.
Ich habe einen deutlichen Rechtsdrall. Ob das daher kommt, dass ich so lange Beifahrer war? Auf jeden Fall beginne ich ganz langsam, mich zu entspannen. Rechts  blinken, auf den Stadtring, lenken – das war zu schnell! Ich muss mit rechts korrigieren. Also lieber um die nächsten Kurven schleichen. Langsam gewinne ich den Raum in der Fahrbahnmitte. Auf den fließenden Verkehr achten kann ich noch. Trotzdem rutschen mir die Schultern hoch wie immer, wen ich etwas ablehne oder Angst empfinde. Ich beginne zu verkrampfen – aber von rechts kommt die ruhige Stimme „und das Atmen nicht vergessen.“ Nur gut, dass es Sonnabendvormittag ist, die Stadt ist noch recht leer. Der Lenkraddrehknauf wird mein Freund wohl nicht, muss es aber werden. Jedenfalls für eine wichtige dreiviertel Stunde. Im Moment aber fühle ich mich sicherer, wenn ich die Hand am Lenkrad behalte und nur zum Blinken auf den Knauf wechsele.
Spurwechsel nach links, ich habe jemanden knapp hinter mir. Blinken, zurückfallen lassen, Schulterblick, Spur wechseln. Geschafft. Links abbiegen klappt besser, an der roten Ampel entspanne ich kurz die Hand, dann gelb, grün und herum. Nächste Straße, nächste Kurve, nächstes Auto vor mir, hinter mir, neben mir. Ich bin froh, dass ich mich – wenigstens gefühlt – nicht mehr irritieren lasse. Dann, nach einer guten Stunde, kommen wir wieder auf dem Fahrschulparkplatz an. „Und jetzt zur Pflicht noch die Kür: rückwärts einparken!“ tönt es vom Beifahrersitz. Oh Schreck – Aber andererseits mache ich das schon, seit ich mein jetziges Auto habe. Und der Fahrschulwagen hat noch dazu eine Rückfahrkamera. Trotzdem verwechsele ich die Richtungen, soll rechts rückwärts einparken, lenke aber nach links. Der zweite Versuch klappt besser, das Auto steht wo es soll. Bremse sperren, Handbremse (Feststellbremsknopf) einlegen, Motor abstellen, Fußbremse entriegeln. Lenkraddrehkauf raus, damit ich aussteigen kann.
Mir läuft gefühlt der Schweiß in Bächen vom Körper, real bin ich eiskalt, aber glücklich. Ich bekomme die Füße allein aus dem Auto, kann mich in den Rollstuhl hieven, muss aber an meinem Auto die längere Drehung machen, weil der linke Fuß sich nicht bewegen lässt. Aber ich komme unbeschadet auf dem Sitz an.
Als Ralf und ich vom Hof fahren, kommen mir die Tränen, weil ich froh und dankbar bin, dass ich in gar nicht mehr so ferner Zukunft werde wieder selbst Auto fahren können.

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