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Diese Webseite ist ein Teil des Versuchs, behinderte und nicht behinderte Menschen ein wenig dichter zusammenzubringen.  #inkluencer



Was gibt's Neues?

2020-05

In der Grundschule war ich "die Fette"- und das hat sich seitdem mal verbessert, mal verschlimmert. Die Geschichte dazu:

Die Sache mit dem Gewicht

        2020-04

        Drei Wochen zuhause bleiben zu müssen         treibt seltsame Blüten. Bei mir war es die,         das Aufräumen plötzlich ganz wichtig war -         und sogar Spaß machte:

        Räum dein Zimmer auf!

2020-03

Ich gehe wieder zur Fahrschule. Nur gut, dass ich die theoretische Prüfung nicht noch einmal machen muss, ich fiele wohl mit Pauken und Trompeten durch. Aber Handgas lernen muss ich. Dazu ein Bericht meiner ersten Fahrstunde

 

                                             Foto mit drei Personen, die mittlere davon sitzt im Rollstuhl

Ich als dicker Rollstuhlfahrer bin auf dem Foto deutlich zu erkennen. Mir zur Seite – und das nicht nur auf dem Foto -  stehen meine wunderbare Mutter und der beste Ehemann von allen. Das Foto entstand im Mai 2018 auf dem Dixieland Festival in Dresden, das wir seit 2011 jedes Jahr besuchen. Dabei haben wir vieles erlebt. Zu Anfang konnte ich noch laufen, dann war ich mit Rollator unterwegs und seit 2016 im Rollstuhl. Seitdem haben sich meine Urlaube verändert und nicht nur die Fahrt nach Dresden jedes Jahr fordert mehr Aufmerksamkeit.

 

Wenn man mehr Platz und eine andere Ausstattung im Zimmer braucht als andere Reisende, dann bedarf jede Reise ganz besonderer Planung. Spontane Fahrten mit Übernachtung sind selten möglich.

 

Und selbst mit entsprechender Planung kann es einem durchaus passieren, dass das gebuchte behindertengerechte Zimmer zum Beispiel einen Hochflor-Teppich hat, der es einem Rollifahrer sehr erschwert oder gar unmöglich macht, sich allein zu bewegen. Ich habe erlebt, dass in einem ausgeschrieben rollstuhlgerechten Zimmer zwar der Boden glatt, aber die  Tür zum Badezimmer zu schmal war, um mit dem Rollstuhl hindurch zu kommen. Dass es keine Haltegriffe an der Toilette gab, das Bett zu niedrig war oder der Aufzug so schmal, dass man sowohl für den Weg hinein als auch hinaus Hilfe braucht, die aber nicht mit in die Kabine passt. Dann hatte ich mich der niedrigen Betten wegen entschlossen, für die Urlaubszeit ein Pflegebett bei einem Sanitätshaus vor Ort zu mieten und bekam vom Hotel die Mitteilung, dass auch das behindertengerechte Zimmer zu klein sei, ein solches Bett hinein zu stellen.

 

Hier haben oft Geher geplant, was für Rollstuhlfahrer notwendig ist.

Oder es passt aus den verschiedensten Gründen nicht ins Angebot.

 

Aber manchmal hat man einfach Glück mit dem Schlafplatz.

 

Da gibt es sinnreiche Konstruktionen wie Schiebetüren an den Toiletten, die Unterkunft bietet einen direkten Kontakt zu einem Sanitätshaus für die Anmietung von Hilfsmitteln an oder hat sogar selbst welche, die sie an Gäste verleiht.

Aber ist eine passende Unterkunft, und sei sie noch so sinnreich, freundlich und hilfsbereit, schon der ganze Urlaub?

Selbstverständlich nicht. Es kommen weitere Ziele oder Veranstaltungen hinzu, die das Erlebnis perfekt machen sollen. Von einem solchen Erlebnis möchte ich heute erzählen.

 

Im Sommer 2018 fuhren wir im Urlaub nach Rügen. Ich hatte im November 2017 übers Internet eine barrierefreie Ferienwohnung gefunden und direkt angefragt, die Buchung erfolgte zwei Tage später. Zum Glück war diese Wohnung bis ins Kleinste durchdacht: elektrisch verstellbare Lattenroste in den erhöhten Betten, eine stabile Aufrichthilfe, die ich  über die gesamte Bettlänge hinziehen konnte, wo ich sie brauchte. Im Schrank ein Lift für die Kleiderstange, ich konnte selbst entscheiden und mir herausnehmen, was ich tragen wollte. Der Wasserhahn im Badezimmer als Brause nutzbar, unterfahrbarer Herd und Spüle in der Küche – und alles auf glattem Boden. Diese Ferienwohnung war von vorn bis hinten behindertengerecht. Als ich erfuhr, dass unser Wirt einen Schlaganfall  gehabt, selbst eine Zeit lang im Rollstuhl gesessen und aus dem Grunde die Wohnung so gebaut hatte, wusste ich, warum.

 Dieser Unterkunft zufolge hätte es ein traumhafter Urlaub sein müssen, und in den ersten Tagen war er das auch. Viel Entspannung durch die weit geringere Anstrengung.

 

Behindertengerechte Küchenzeile mit

unterfahrbarer Spüle und Herd, im

Vordergrund ein Tisch mit Stuhl

Wir hatten recht schnell einige Geschäfte entdeckt, in denen ich mich problemlos bewegen konnte, also war auch das Einkaufen eine Freude. Am dritten Urlaubstag waren wir bei den Störtebeker – Festspielen in Ralswiek. Mein lieber Mann und ich waren mit Fahrrad und Rollimotor hingefahren und haben voller Freude die prima Betreuung genossen. Als Rollifahrer hatte ich die Wahl, entweder auf der entsprechenden Loge zu stehen oder einen kleinen, mobilen Balkon an die Schräge neben den Sitzplätzen gestellt zu bekommen. Wir genossen die Vorstellung von der Loge aus, eine wunderbare Sache!

 

Der Rückweg war ein Abenteuer. In der Nacht mit äußerst mangelhafter Beleuchtung auf sehr interessanten Wegen durch den Wald zu fahren, festzustellen, dass der Weg, den wir nehmen wollen, gesperrt ist, und dass der Akku des Motors  immer weniger Ladung zeigt führte uns dahin, dass ich in der Bahnhofshalle wartete, bis mein Mann mit dem Auto kam, mich abzuholen.

Mittlerweile kann ich zum Glück darüber lachen, danach war mir in dieser Situation nicht zumute.

                                                                                                             Blick von der Rollstuhltribüne                                                                                                                                                 auf Palastkulissen, Sand und Wasser

Doch am Tag darauf begannen die Schwierigkeiten, die sich den weiteren Urlaub über häufen sollten.

 

 

Wir fuhren nach Sassnitz, weil wir zum Einen sehr gute Erinnerungen von unserem vorherigen Urlaub (das war vor acht Jahren  unsere Hochzeitsreise gewesen) hatten und hofften, dort an der Uferpromenade frischen Fisch mit Ausblick auf die Ostsee zu bekommen. Knapp nach dem Ortseingang fand sich ein größeres Einkaufszentrum, auf dessen Parkplatz wir das Auto abstellten. Weiter ging es mit Fahrrad und Motor. Der Weg zum Ostseeufer war amüsant, die Bürgersteige hatten tiefe Querrinnen für den Wasserablauf, einige Strecken waren mit Kopfsteinpflaster belegt – ich muss glaube ich keinem Rollstuhlfahrer erklären, wie unglaublich „bequem“ solche Strecken zu fahren sind. Meine Federung – der Hintern – ist zum Glück recht gut gepolstert, das ist aber bei den wenigsten Menschen der Fall.

An der Promenade angekommen stießen wir auf das nächste Problem, und damit meine ich nicht, dass viele Restaurants voll besetzt waren.

 

Die Außenterrassen hatten entweder eine Stufe, die auch mit Hilfe schwierig zu bewältigen gewesen wäre, oder Tische und Stühle standen derart dicht, dass ich nicht hindurch kam.

Oder beides.

In die Häuser wäre ich nicht hinein gekommen, entweder es gab Stufen oder die Türen waren zu schmal.

Oder beides.

Zum Glück sind die Restaurants an diesem Ort sehr dicht beisammen. Am vierten Haus fanden wir einen Platz, der für mich erreichbar war. Zur Toilette hätte ich zwar auch hier nicht gekonnt, aber das war mir in dem Moment egal und konnte es zum Glück auch sein. Das Essen war hervorragend, wir konnten uns gut mit einer Familie unterhalten, die am Nebentisch saß.

Zurück zum Auto fuhren wir über die Straße und hatten so weit weniger Schwierigkeiten mit Kopfsteinpflaster und Querrinnen.

 

Dies war der erste der Tage, an denen ich entweder nicht dorthin kam, wo ich gern wollte (auch die meisten Eisdielen und Cafés in Bergen haben ähnliche Zugangsbeschränkungen für Rollstuhlfahrer – in der einzigen Eisdiele, die wir für mich erreichbar fanden, saßen wir auf dem Bürgersteig) oder hätte Litfaßsäule (als behinderte dicke Frau in einem geliehenen Strandrollstuhl zur Hauptreisezeit in Binz) spielen müssen. Da war mein Selbstvertrauen aber schon so weit im Keller, dass ich allein beim Gedanken an die Möglichkeit weinte.

Ich habe den gesamten Urlaub über den Strand und die Ostsee maximal gesehen. Ein Zugang war für mich nicht möglich, vielleicht haben wir auch an den falschen Stellen gesucht. Einzig in der Hafenanlage von Lauterbach kam ich näher ans Wasser.

Als Highlight bleibt der Besuch in Karls Erdbeerdorf in Zirkow zu vermerken. Die Anlage ist wirklich barrierefrei, hat sogar ein Karussell für Rollstuhlfahrer, das sich erst dann bewegen lässt, wenn die Sicherungsbügel geschlossen sind.

Ich konnte meinen Mann überzeugen, einen Tag allein zu verbringen, damit er an den Strand und ins Wasser kam. Gemeinsam fuhren wir – entgegen unserem ursprünglichen Plan – viel mit dem Auto, was bei den Temperaturen wenigstens den Vorteil der Klimaanlage bot.

 

Ansonsten stellten wir nicht erst bei der Abfahrt fest, dass Rügen für mich leider kein Urlaubsziel mehr ist. Das Wasser, das ich in diesem Urlaub erlebte, kam eher aus meinen Augen, als dass ich mich hätte darin bewegen können.

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